Ich selber bin in einer Phase von meinem Leben angelangt, wo ich mich als sog. "Elder in Training" (siehe auch mein Buch dazu) mit einem der wichtigsten "Aufräumarbeiten" beschäftige - der täglichen Übung in Vergebung. Als überzeugter Anwender möchte ich diese Praxis hier speziell auch für alle Männer zugänglich machen:
Es ist eine Realität zwischen uns Menschen, dass es durch Missverständnisse, Verletzungen und Traumata in unserer Kindheit, als Jugendliche oder im Erwachsenenleben zu inneren, psychischen und seelischen Verwundungen kommt bzw. dass wir in unserem Leben anderen Menschen solche in einer entsprechenden Situation absichtlich oder unabsichtlich zufügen oder zugefügt haben. Das betrifft uns alle.
Die folgenden, eindrücklichen Resultate von Untersuchungen zum Thema angewandter Verzeihensarbeit von Dr. Robert Enright der University of Wisconsin-Madison, USA (1) zeigen die folgenden, grundlegend-positiven, gesundheitlichen Effekte auf:
• Tieferer Blutdruck
• Stressreduktion
• Weniger Feindseligkeiten
• Besserer Umgang mit Wut
• Tieferer Puls
• Kleineres Risiko für Alkohol- und Substanzmissbrauch
• Weniger Depressions- und Angstsymptome
• Reduktion von chronischen Schmerzen
• Mehr Freundschaften und gesundere Beziehungen
• Besserer Zugang zur Religion und Spiritualität
• Verbesserung des allgemeinen, psychischen Wohlbefindens“
In Zeiten oft einseitiger, undifferenzierter, öffentlicher und nicht ganzheitlicher Kampagnen zum Thema "Gewalt" gegen das Kollektiv der Männer in der Schweiz, gehen wir in der Ganzheitlichen Männerarbeit auch weiterhin und selbstverständlich davon aus, dass diese Vorkommnisse alle Männer, Frauen, Kinder (♂+♀), Jugendiche (♂+♀) und Senioren (♂+♀) als potenzielle TäterInnen und Opfer betreffen (siehe auch Positionspapier: Die ganzheitliche Betrachtung von Gewalt) und darum für alle nützlich sind. Wir arbeiten darum ganz bewusst an dem Teil der Problematik, die die Männer betrifft und erwarten gleichzeitig, dass auch für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche - Kinder, Jugendliche, Frauen, Senioren etc. - ähnliche Anstrengungen unternommen werden.
Im Bereich der Veregebungs-Arbeit ist es darum für uns Männer wesentlich - wie auch für Frauen und andere Geschlechtsidentitäten - zu unserer individuellen Psychohygiene bzw. langfristigen Gesundheit und auch derjenigen der Gesellschaft in der wir leben (kollektiv) immer wieder Vergebungs-Arbeit zu leisten.
Einerseits gilt dies ganz speziell in der zweiten Lebenshälfte in unserem "Elderhood-Prozess" ("Aufräum- und Versöhnungsprozess des Lebens") in Richtung unseres biologischen Lebensendes und andererseits in der heutigen Zeit ganz speziell zwischen uns Männern und den Frauen, wo die Polarität zwischen den Geschlechtern (wieder) im Kontext von entgleisten, soziopathischen, männlichen Politikern und sog. "Leadern" und unterschiedlicher Verständnisse von Gleichstellung wieder zugenommen hat - sowohl für jeden von uns Männern selbst, wie auch kollektiv in unserer Gesellschaft.
Interressant dabei ist, dass diese Anwendung - die ich ursprünglich von meinem US-amerikanischen Freund Robert Weathers PhD ("Freedom of Forgiveness" - iAwake-Audio) übernommen und weiterbearbeitet habe - über längere Zeit wiederholt angewendet, sowohl einen auf die inneren Ebenen einer Person, die sie ausführt bezogene, starke, positive Wirkung, als auch eine sog. systemische, kollektive Wirkung auf Störungen im Sozialen Umfeld von Menschen ("des Systems" gem. Systemischer Familientherapie (2) - Familie, Ethnie, Geschlechter etc.) hat.
Wir Männer und männlichen Senioren wollen uns unserem Teil dieser faszinierenden und effektiven Arbeit in Eigenverantwortung stellen und können dies in einer fortgesetzten Vergebungs-Arbeit sehr wirkungsvoll tun.
Die Vergebungs-Arbeit hat grundsätzlich drei Ebenen oder Anteile:
Der Aktualität diese Zeit folgend, möchten wir an dieser Stelle - neben der Vielzahl von anderen Anwendungen davon (siehe auch Anhang des Buches "Elderhood") - uns speziell mit der kollektiven Vergebungs-Arbeit von uns Männern gegenüber den Frauen widmen. Der Text der Verzeihungs-Praxis unten ist auf diese Anwendung der Verzeihenspraxis angepasst. Sie beinhaltet einen ersten Teil, wo wir - als Kollektiv der Männer - um Vergebung bitten und einen zweiten und dritten Teil, wo wir Vergebung gegenüber dem Kollektiv der Frauen und gegenüber uns selber gewähren.
Ablauf:
Die wenn möglich laut oder innerlich ausgesprochenen Sätze lauten folgendermassen:
Was auch immer wir (Männer) euch (Frauen) angetan oder wir für euch nicht getan haben,
das euch verletzt hat, bitte vergebt uns !
Was auch immer wir zu euch oder gegen euch gesagt haben, das euch verletzt hat, bitte vergebt uns !
Was auch immer wir über euch oder gegen euch gedacht haben, das euch verletzt hat, bitte vergebt uns !
.
Was auch immer ihr (Frauen) uns (Männern) angetan oder für uns nicht getan habt, das uns verletzt hat, vergeben wir euch !
Was auch immer ihr zu uns oder gegen uns gesagt habt, das uns verletzt hat, vergeben wir euch !
Was auch immer ihr über oder gegen uns gedacht habt, das uns verletzt hat, vergeben wir euch !
.
Was auch immer wir euch angetan oder wir für euch nicht getan haben, das euch verletzt hat, vergeben wir uns selbst !
Für was auch immer wir über oder gegen euch gesagt haben, das euch verletzt hat, vergeben wir uns selbst!
Für was auch immer wir über oder gegen euch gedacht haben, das euch verletzt hat, vergebe wir uns selbst!“
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Quellen: