Es gibt eigentlich nur einer Form der Gewalt, die wahrscheinlich weltweit anerkannt und
legitimiert ist - die Gewalt, die jemand braucht, um sein eigenes, nacktes Leben oder das
Leben von Familienangehörigen bzw. Kinder zu retten bzw. zu verteidigen, falls keine
Flucht mehr möglich ist.
Um uns die Dimensionen von Gewalt - als letzte Eskalationsstufe von Wut und Aggression
- ganzheitliche vor Augen zu führen, müssen wir einerseits zwischen
• physischer,
• emotionaler,
• mentaler-struktureller und
• sexueller Gewalt ….. unterscheiden.
Welche davon ist die schlimmste ?
Welche Kombinationen und welche „Cocktails“ davon gibt es ?
Auf der Ebene der Betrachtung der 1. Person, dem ICH, gibt es die Gewaltanwendungen
die ich mir selber antue (z.B. „sich ritzen“), zu was ich mich selber vergewaltige, mich
selber fertig mache - Körper-Gefühle-Gedanken - da richte ich den Schlagring gegen mich
selbst oder Teile von mir, die ich ablehne. Dies kann auch durch die Entwicklung von sog.
Autoimmunerkrankungen geschehen, wo das körpereigene Abwehrsystem anfängt
eigenen Körpergewebe als fremd zu erkennen und abzuwehren.
Und schliesslich gibt es all diese genannten Formen der Gewalt zwischen zwei Personen
(2. Person = DU), wo zwischen
• Mann zu Mann
• Mann zu Frau
• Frau zu Mann
• Frau zu Frau
• Vater zu Kind
• Mutter zu Kind
• Mann zu SeniorIn
• Frau zu SeniorIn
• etc.
….. Gewalt ausgeübt wird. Hier ist es ein(e) Täter(in) und ein Opfer.
Die weitaus häufigste Form der Gewalt ist diejenige zwischen Männern - 2. und 3. Person (Kollektive)
und deshalb sind auch die weitaus meisten Opfer Männer.
Im gängigen, heute meist öffentlich auch von Behörden verwendeten Narrativ zum Thema Gewalt wird aus dieser Betrachtung praktisch ausschliesslich, falsch und einseitig in unserer Gesellschaft nur die Gewalt an Frauen - der Mann ist immer der Täter und die Frau immer das Opfer - aufgezeigt. Dieses Narrativ berücksichtigt auch den unten weiter ausgeführten sog. "Overlap" (gegenseitige Gewalt), der auch in meinem Buch über ganzheitliche Männerarbeit erwähnt ist, nicht.
Diese Gewalt gegen Frauen gibt es und dieser - aber eben auch allen anderen und speziell diejenige an Männern (siehe unten) - müssen wir gemeinsam in allen Formen entschieden entgegenzutreten; da hat und will die emanzipatorische Männerbewegung - zu der sich Ganz-und-Gar-Mann-Sein bekennt - ihren Beitrag zu leisten !
Das Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN) in Deutschland stellte am 8. Februar 2024 die repräsentative quantitative Studie mit dem Titel „Gewalt gegen Männer in Partnerschaften – von der Scham zur Hilfe. Eine empirische Untersuchung zur Situation in Deutschland“ vor. Die dafür gewonnene Stichprobe umfasste 12.000 Männer im Alter von 18 bis 69 Jahren, gefragt wurde nach Opfererfahrungen und Täterschaft. In der Schweiz sind keinerlei vergleichbare Studien bekannt ... !
„Allein, dass nach 2004 wieder eine repräsentative Studie mit und zu Männern möglich wurde, ist ein Erfolg“, sagt Torsten Siegemund, Fachreferent bei der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM). „Jetzt haben wir wissenschaftliche Fakten, sozusagen schwarz auf weiß, was uns oft an Argumenten fehlte. Mit der Studie wird ein detaillierter Blick auf das Dunkelfeld gewaltbetroffener Männer möglich. Die wesentlich höhere Gewaltbetroffenheit von Frauen steht damit keineswegs infrage, die erkennen wir an und unterstützen Forderungen nach dem Ausbau der Hilfelandschaft. Doch Männer gehören eben auch gesehen, ein eigenes Hilfesystem für sie ist zusätzlich nötig und muss dringend ausgebaut werden.“
Laut Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN) ist eine klare Unterscheidung zwischen Täter- und Opfersein in vielen Fällen nicht sinnvoll. Ein hoher Overlap wurde festgestellt, also die Schnittmenge, in der Betroffene zu Tätern werden oder umgekehrt.
54,1 % aller befragten Männer gaben an, jemals in ihrem Leben von Partnerschaftsgewalt betroffen gewesen zu sein. Der Großteil der Männer erlebte Gewalt ein oder zweimal im zurückliegenden Jahr, nur wenigen widerfuhr sie mehrmals pro Woche oder täglich. Mehr als 30% gaben an, von mindestens zwei Gewaltformen betroffen gewesen zu sein (siehe Grafik unten).
Hier geht es zur vollständigen zusammenfassenden Publikation der Studie.